Anschaffung

Jedes Tierheim freut sich, wenn es seine Tiere in gute Hände vermitteln kann. Dennoch wäre es natürlich noch besser, Tiere bräuchten gar nicht erst im Tierheim aufgenommen zu werden.

Die folgenden Überlegungen sollen keinesfalls grundsätzlich davor abschrecken, sich ein Tier anzuschaffen, noch sollen sie vergessen lassen, wie viel Freude ein Tier machen kann. Aber vorheriges selbstkritisches Hinterfragen, ob man tatsächlich bereit und in der Lage ist, die Verantwortung für das Leben eines Tieres mit allen Konsequenzen zu übernehmen, kann dazu beitragen, Fehlentscheidungen zu vermeiden, die zur Abgabe oder Rückgabe eines Tieres ins Tierheim oder aber - schlimmer noch - für das Tier zu einem nicht artgerechten, eventuell gar tierquälerischen Leben führen.

1. Grundlegendes Fachwissen

Haben Sie Grundwissen über die Tierart, für die Sie sich interessieren? Wissen Sie, welches Futter das Tier braucht und wie viel Platz, wie eine artgerechte Behausung aussieht und was für Pflege es benötigt? Ein Zwergkaninchen beispielsweise ist in einem handelsüblichen Käfig nicht artgerecht untergebracht, auch wenn diese Art der Haltung leider die Regel ist. Ein Hund ist nicht artgerecht untergebracht, wenn er einmal am Tag ein Ründchen spazieren geht und ansonsten in den Garten geschickt wird, auch wenn viele Hunde so ihren Tag verbringen. Fachbücher können hier eine gute Hilfe sein, allerdings sollten Sie dann auch vorher gelesen werden.

2. Eigener Lebensstil und Tierbedürfnisse

Lässt Ihr Lebensstil die Haltung des gewünschten Haustieres zu? Sind Sie bereit, einen mehr oder weniger großen Teil Ihrer Freizeit auf das Tier abzustimmen (ein Hund z. B. braucht je nach Größe mindestens 1 -2 Stunden Auslauf täglich und das bei jedem Wetter)? Ertragen Sie den Schmutz und die Haare, den/die fast jedes Haustier macht oder hinterlässt, in Ihrer Wohnung? Sind Sie bereit, notfalls auch Ihren bereits geplanten Jahresurlaub zu verlegen, weil Ihr Tier schwer erkrankt ist und Ihre Hilfe braucht?

Auch Tiere haben bzw. entwickeln manchmal "Macken". Sind Sie bereit, diese zu ertragen bzw. dort, wo es möglich und notwendig ist, diese Uneigenarten abzuerziehen (z. B. mit Ihrem Hund eine Hundeschule zu besuchen)? Anders gesagt: Sind Sie bereit, das Zusammenleben nicht nur in guten, sondern auch in schlechten Zeiten zu akzeptieren?

Wissen Sie, wie alt Ihr Wunschtier wird? Sind Sie bereit, so lange die Verantwortung für das Tier zu übernehmen? Ein Hund kann 10 - 15 Jahre alt werden, eine Katze sogar bis zu 20 Jahren, ein Zwergkaninchen 10. Bedenken Sie, wenn möglich, welche Lebensänderungen jetzt schon für Sie in welchen Zeiträumen absehbar sind und ob die Sorge für das Tier dann immer noch gewährleistet ist.

3.Tägliche Pflege

Haben Sie wirklich genügend Zeit, sich jeden Tag um die Versorgung mit Futter und Wasser zu kümmern, das Katzenklo oder den Kaninchenkäfig zu putzen, sich mit dem Tier zu beschäftigen und ihm die nötige Zuwendung zukommen zu lassen? Vergessen Sie auch nicht die Zeit für die eventuelle Fellpflege. Sind Sie diszipliniert genug, diese Arbeiten auch dann zu verrichten, wenn sie lustlos, gestresst, schlecht gelaunt oder überarbeitet sind?
Wenn Sie die Absicht haben, ein Tier für Ihre Kinder anzuschaffen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, dass Kinder die Pflege eines Haustieres nicht allein und eigenverantwortlich übernehmen können, auch wenn Sie das mit Ihren Kindern so ausgemacht haben. Kinder können die Langfristigkeit der Entscheidung, ein Tier zu halten, noch nicht einschätzen, und wenn das Interesse Ihrer Kinder für das Tier nachlässt (was gerade bei Kleintieren und Exoten häufig der Fall ist), müssen Sie als verantwortlicher Elternteil die artgerechte Haltung und Pflege des Tieres übernehmen.

4.Räumliches Umfeld

Ist Tierhaltung in Ihrer Wohnung erlaubt? Haben Sie genügend und den richtigen Platz für Ihr Wunschtier? Jedes Tier braucht Auslauf bzw. Ausflug. Ein großer Hund mit großem Laufbedürfnis ist nichts für eine kleine Wohnung. Nagergehege müssen ausreichend groß sein und benötigen für eine artgerechte Unterbringung einiges mehr an Stellfläche, als meist vermutet wird.
Leben bei Ihnen noch andere Haustiere? Dann müssen Sie vorab überlegen, ob sich Ihr Neuzugang mit den Alteingesessenen möglicherweise nicht versteht.
Wie steht es mit der Tiersicherheit Ihrer Wohnung? Nagetiere knabbern Stromkabel an, Katzen bleiben in Kippfenstern hängen, Hamster fallen vom Balkon. Treffen Sie entsprechende Vorsorge, bevor das Tier bei Ihnen einzieht.

5.Einzel- oder Mehrtierhaltung

Ist Ihr Wunschtier ein Einzelgänger oder braucht es Artgenossen, um sich wohl zu fühlen? Ein Hamster z. B. ist ein Einzelgänger, Meerschweinchen und Kaninchen brauchen mindestens einen Artgenossen. Wellensittiche, Kanarienvögel, überhaupt fast alle Vögel können artgerecht nur als Paar oder Schwarm gehalten werden. Ein Hund betrachtet zwar seine menschliche Familie als Rudelersatz, sollte aber auch höchstens 4 - 5 Stunden täglich allein sein. Auch Katzen benötigen mehr Geselligkeit bzw. Unterhaltung als gemeinhin angenommen. Sind alle Menschen Ihres Umfelds berufstätig und können Sie das Tier nur in der Wohnung halten, sollten Sie über die Anschaffung von wenigstens gleich zwei Katzen nachdenken.

6. Kosten

Sind Sie sich über die Kosten im Klaren, die auf Sie zukommen? Außer für Ernährung und Haltung (Behausung, Zubehör, Spielzeug etc.) fallen auch noch Tierarztkosten an. Hunde und Katzen z. B. müssen regelmäßig geimpft und entwurmt werden. Für Hunde fällt außerdem noch Hundesteuer und Versicherung an.

Die Zeitschrift DAS TIER hat einmal ausgerechnet, dass ein mittelgroßer Hund 700 Euro, eine Katze 580 Euro und ein Wellensittich 60 Euro pro Jahr kostet.

7. Reaktion des menschlichen Umfelds

Wenn Sie nicht alleine leben, stellt sich die Frage, ob das Tier wirklich in Ihrer gesamten Wohngemeinschaft willkommen ist. Wenn Ärger vorprogrammiert ist, leidet meist irgendwann auch das Tier darunter.
Wenn Kinder im Haushalt leben, sind diese alt und vernünftig genug für Ihr Wunschtier? Bitte bedenken Sie, dass ein Tier kein Kinderspielzeug ist.
Auch die Reaktion Ihrer Freunde und Bekannten sollten Sie vorher abschätzen. Werden Sie z. B. Ihren Hund zu Freunden und Verwandten mitbringen dürfen? Gerade in der derzeit in Hundefreunde und Hundegegner gespaltenen Gesellschaft sollten Sie wissen, dass Sie eventuell auch ein paar Freunde verlieren werden bzw. dass Sie gegenüber Anfeindungen von Nicht-Hundebesitzern innerlich gewappnet sein müssen.

8. Gesundheitliche Beeinträchtigung

Klären Sie unbedingt vorher ab, ob Sie oder andere unmittelbar mit dem Tier Zusammenlebende eine Allergie haben. Die Rückgabe eines Tieres aus diesen Gründen ist häufiger als gedacht (wenn auch sicherlich manchmal vorgeschoben). Außer einer Katzenhaarallergie kommen hier vor allem in Betracht Allergien gegen Meerschweinchenhaare aber auch gegen Vogelfedern und das Heu im Nagerkäfig.

9. Urlaub und Krankheit

Überlegen Sie sich vorher, was Sie mit Ihrem Tier während des Urlaubs machen oder wenn Sie krank sind. Haben Sie Freunde oder Verwandte, die sich dann um das Tier kümmern? Müssen Sie auf Urlaubspflegeplätze zurückgreifen, überzeugen Sie sich vorab davon, dass Ihr Tier dort gut untergebracht und nicht einfach nur abgeschoben ist. Überlegen Sie auch, was Sie tun werden, wenn das Tier erkrankt und Sie deshalb Ihren Urlaub nicht antreten können!

Wenn Sie bereits ein fortgeschrittenes Alter erreicht haben, sollten Sie sich außerdem Gedanken darüber machen, was mit Ihrem Tier im Falle Ihres Todes passiert. Eine Vielzahl von Anfragen erreichen uns jede Woche, weil der Tierhalter plötzlich verstorben ist und die Angehörigen nun nicht wissen, was Sie mit dem Tier tun sollen.

10. Krankheit des Tieres

Wer pflegt das Tier, wenn es selber krank wird? Wer bringt es zum Tierarzt? Bedenken Sie bitte, dass es auch notwendig sein kann, Erbrochenes oder Durchfall aufzuwischen, stinkende, eiternde Wunden auszuwaschen usw. Wer aus z. B. Ekelgründen nicht in der Lage ist, seinem kranken Tier im Notfall zu helfen, sollte sich lieber keines anschaffen.

 

Hund

Tierschutzverein Geldern und Umgebung e.V.

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